Vogelbeobachtung in Südestland: worauf man achten sollte und warum es sich lohnt

Für Maris Kivistik, die Gastgeberin des Weinguts Uue-Saaluse, ist die Vogelbeobachtung in den vergangenen fünf Jahren zu einer Frühlingsleidenschaft geworden. Alles begann an einem Januartag mit dem Füttern der Wintervögel und dem stillen Beobachten ihrer Tagesabläufe.
Bis zum Ende des Frühjahrs umfasst Maris’ Liste in der Regel rund 60 faszinierende Arten. Mit ihrer tiefen Verbundenheit zur Natur ermutigt sie alle, die reiche und lohnende Welt der Vogelbeobachtung in Südestland zu entdecken.
Unvergessliche Begegnungen mit Vögeln

Eine der eindrucksvollsten Arten ist die Rohrdommel, ein verborgen lebender Vogel der Moorränder, bekannt für ihre ungewöhnliche Erscheinung und ihren tiefen, dröhnenden Ruf, der ihr in der örtlichen Volksüberlieferung einen fast mythischen Ruf eingebracht hat.
Unter den Spechten sind hier Buntspecht, Mittelspecht und der beeindruckende Schwarzspecht zu Hause – der größte Specht Europas. Nachts prägen die Rufe von Waldkauz und Habichtskauz die Stimmung und hallen durch den Wald.
Der Weißstorch ist in Südestland ein vertrauter Anblick – anders als in Finnland. Häufig sind auch Mäusebussarde zu sehen, während im Frühjahr die Felder vom Gesang des Kiebitzes und der Feldlerche erfüllt sind.

In Fichtenbeständen kann ein feines Gehör das winzige Wintergoldhähnchen wahrnehmen, den kleinsten Vogel Europas. Sein hoher, zarter Gesang gleicht einem feinen Faden Violinenmusik – so hoch, dass ihn nicht jeder hören kann.
Eine lebendige Mosaiklandschaft
Die Landschaft Südestlands ist wunderbar abwechslungsreich. Wiesen und Feuchtgebietsränder wechseln sich mit Waldstücken ab und bilden ein Mosaik, das eine außergewöhnliche Artenvielfalt trägt.

Zu den bemerkenswertesten Vögeln gehören Schelladler, Schreiadler und Schwarzstorch – allesamt streng geschützte Arten, deren Brutplätze sorgfältig geheim gehalten werden.
Frühling in den Mooren
Den Frühling im Moor sollte man selbst erlebt haben. Wer sich leise bewegt, kann die Balz des Birkhuhns beobachten – ein kraftvolles, uraltes Schauspiel, das man am besten aus respektvoller Entfernung verfolgt.

Einer der schönsten Orte der Region ist das Hochmoor Luhasoo, wo ein gut markierter Pfad die Besucher durch die verschiedenen Stadien der Moorentwicklung führt und Ausblicke auf malerische Moorseen bietet. Hier begegnet man auch der Heidelerche, während die Moorseen häufig von der Schellente aufgesucht werden.
Waldbaden und stille Pfade
Neben Luhasoo empfiehlt Maris die Wanderwege von Kirikumäe und Vällamäe sowie im Urstromtal des Flusses Piusa. Diese Pfade sind gut markiert, leicht zugänglich und mit Informationstafeln ausgestattet.
Unterwegs begegnen Ihnen nicht nur Vögel, sondern auch Amphibien, Insekten und eine vielfältige Pflanzenwelt. Diese Wege laden zu echtem Waldbaden ein – zum Eintauchen in Stille und Ruhe.

Was ein Naturerlebnis wirklich besonders macht, ist der Moment, in dem man eine neue Art erkennt. Denn, wie Maris es ausdrückt: Wir können nur schützen, was wir kennen und lieben. Ökologisches Bewusstsein gehört deshalb wesentlich zum Menschsein.
Ein Naturrefugium in Uue-Saaluse

Auf dem Weingut Uue-Saaluse lässt sich Natur mit lokalen Erlebnissen verbinden. Gäste können den Weinkeller und die Beerenplantagen erkunden und die handwerklich vor Ort erzeugten Weine verkosten. Zum Weingut gehört Estlands höchstgelegener Weinberg auf 222 Metern über dem Meeresspiegel.
Ein besonderes Erlebnis ist die traditionelle Rauchsauna aus Võromaa – eine Praxis, die zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO zählt. Nach der Sauna können Sie sich im See abkühlen und den Abend bei einer Weinprobe oder einem entspannten Abendessen ausklingen lassen.
Mehr erfahren: uuesaaluseveinitalu.ee



