Entdecken Sie Südestlands schönste Gutshäuser und Schlösser

Verborgen zwischen den sanften Hügeln und Wäldern Südestlands warten märchenhafte Gutshäuser und Schlösser darauf, entdeckt zu werden. Die meisten dieser Anwesen wurden vom deutschbaltischen Adel erbaut und bewirtschaftet, der die Region jahrhundertelang beherrschte, während die estnische Bevölkerung das Land bestellte.
Heute laden diese historischen Gebäude zu einer romantischen Gutshaustour ein, dazu, sich für einen Tag wie Adelige zu fühlen, oder einfach dazu, durch schöne Parks und Gärten zu spazieren. Architektonische Kleinode finden sich in ganz Südestland – jedes mit seiner eigenen Geschichte und seinem eigenen Reiz.
Von dunklen Kapiteln bis zu hellen Fassaden: Hier sind zehn der eindrucksvollsten Gutshäuser und Schlösser Südestlands.
Schloss Alatskivi

Schloss Alatskivi, das Schmuckstück der Zwiebelroute, gehört zu den schönsten Schlössern Estlands. 1870 ging es in den Besitz der Adelsfamilie von Nolcken über, die 1885 ein neues Herrenhaus errichten ließ – inspiriert vom schottischen Schloss Balmoral.
Das Schloss ist ganzjährig für Übernachtungen geöffnet und beherbergt zudem ein Besucherzentrum, ein Restaurant und ein Museum für den hier geborenen Komponisten Eduard Tubin. In den Stallungen sind historische Kutschen ausgestellt, und durch den Schlosspark führt ein 4,5 Kilometer langer Spazierweg.
Mehrere Nebengebäude werden weiterhin genutzt und bieten Aktivitäten sowie regionale kulinarische Erlebnisse. Im ehemaligen Haupthaus sitzt heute die Gemeindeverwaltung von Peipsiääre, und im alten Kornspeicher ist ein Handwerksladen untergebracht.
Schloss Kuremaa

Schloss Kuremaa ist das eindrucksvollste Gutshaus im Kreis Jõgeva. Von 1921 bis 2005 war hier eine Fachschule für Landtechnik untergebracht. Heute finden im Schloss Konferenzen, Kulturveranstaltungen und private Feiern statt.
Umgeben ist das Schloss von einem reichen Park, der sanft zum See hin abfällt und die Schönheit des Anwesens noch unterstreicht. Das nahe gelegene Erlebniszentrum Kuremaa bietet vielfältige Freizeitmöglichkeiten.
Gut Mooste

Das Gut Mooste im Kreis Põlva ist eine der am besten erhaltenen Gutsanlagen Estlands. Zum Ensemble gehören ein Herrenhaus, ein Kutschenhaus, Kornspeicher, eine Schmiede, eine Brennerei mit Nebengebäuden sowie eine Umfassungsmauer mit Uhrturm.
Viele Gebäude wurden von örtlichen Baumeistern aus verzierten Ziegeln und heimischem Stein errichtet. Die ältesten Aufzeichnungen reichen bis ins späte 16. Jahrhundert zurück, doch seine heutige Gestalt erhielt das Gut Anfang des 20. Jahrhunderts durch seinen letzten Besitzer, Eduard Gustav von Nolcken.
Das Herrenhaus von 1909 dient seit über 100 Jahren als Schule. Der ehemalige Kuhstall wurde zu Folgikoda umgebaut, einem der größten Konzertsale Südestlands. Jedes Gebäude hat seine Aufgabe – damit ist Mooste eher eine lebendige Gutsgemeinschaft als ein klassisches Museum.
Schloss Cantervilla

Schloss Cantervilla, auch als Gut Pikajärve bekannt, bietet das ganze Jahr über luxuriöse Übernachtungen. Seine eleganten Gänge sind mit Landschaftsgemälden und Porträts geschmückt, antike Möbel und Kronleuchter verleihen dem Haus Charme und Romantik.
Im Sommer entsteht in den Nebengebäuden und auf dem Gelände ein Vergnügungsbereich im Gutshausthema, in dem Familien gemeinsam auf ihre Kosten kommen.
Schloss Sangaste

Schloss Sangaste, im Besitz der Familie von Berg, ist bekannt für seine Backsteinarchitektur nach dem Vorbild von Schloss Windsor. Erbaut wurde es vom letzten Gutsherrn, dem Roggenzüchter Fr. G. M. von Berg.
Im ehemaligen Pferdestall ist heute die Ausstellung „Roggengrafen und die Wunder der Welt“ zu sehen, die von der Familie von Berg und den Neuerungen des frühen 19. Jahrhunderts erzählt. Naturfreunde können zudem den dendrologischen Park erkunden, den Graf von Berg hinter dem Schloss anlegen ließ.
Schloss Sillapää

Schloss Sillapää, auch Gut Räpina genannt, ist ein schönes Beispiel spätklassizistischer Architektur. Das Staatsgut Räpina wurde im späten 16. Jahrhundert gegründet. Die Brüder von Löwenwolde, die es im 18. Jahrhundert erwarben, legten auch den Grundstein für die Papiermühle, die bis heute in Betrieb ist.
Das heutige Herrenhaus entstand Mitte des 19. Jahrhunderts. Es beherbergt das Räpina Heimat- und Gartenbaumuseum und gehört zur Gartenbauschule Räpina. Sehenswert sind auch der Gutspark und die Sammlungsgärten der Schule.
Gut Rogosi

Im reizvollen Haanja-Hügelland liegt das Gut Rogosi, das erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt wurde. Ungewöhnlich ist sein Grundriss: eine an drei Seiten von Wasser umgebene Anlage mit einem Innenhof in der Mitte.
Einst beherbergte das Gut eine Schule; heute gibt es ein Museum im Uhrturm und im Keller eine Ausstellung zur Gutsschule. Besucher können im Gutshaus übernachten, essen und an Führungen teilnehmen. Ein Naturlehrpfad erschließt den Park.
Gut Kaagjärve

Das ein wenig geheimnisvolle Gut Kaagjärve hat eine bewegte Geschichte. Es gehörte der deutschbaltischen Familie von Grote, und sein Hauptgebäude diente einst als Schule. Heute ist es in Privatbesitz, Besuche sind nach Vereinbarung möglich. Im Sommer lohnt der Rosengarten des Gutes einen Blick.
In Zusammenarbeit mit den Nachfahren der Familie von Grote hat das heutige Gutsteam das Gutsmuseum Kaagjärve eingerichtet, das historische Materialien, Fotografien und Gemälde zeigt. Zum Gut gehörte einst einer der größten Gutsbetriebe Estlands, darunter eine Brauerei und eine Wollfabrik. In der Sommerresidenz der Familie in Valga ist heute die Zentralbibliothek Valga untergebracht.
Gut Luke

Das Hauptgebäude des Gutes Luke im Kreis Tartu wurde 1944 durch einen Brand zerstört, doch der Park und die Nebengebäude im alten Barockstil lohnen weiterhin einen Besuch. Im Sommer gibt es im Herrenhaus ein Café, das Gärtnerhaus lässt sich für Veranstaltungen mieten, und häufig finden hier lebhafte Sommerkonzerte und Aufführungen statt.
Gut Hellenurme

Zwischen Elva und Otepää gelegen, ist das Gut Hellenurme der Geburtsort des Malers Konrad Mägi und war zeitweise das Zuhause von Jakob Hurt, einer Schlüsselfigur beim Sammeln estnischer Volksüberlieferung.
Mehrere Haupt- und Nebengebäude sind bis heute erhalten. Das eigentliche Highlight ist Estlands letzte noch arbeitende Wassermühle. Der Müller empfängt Besucher, bäckt Brot und bietet auch Übernachtungen an.



